Patienteninformation Ende April 2020
Liebe Patientinnen, liebe Patienten, Begleitpersonen und andere Besucher
Ich schreibe diese Patienteninformation am letzten Wochenende des schweizerischen Lockdowns während der Corona Pandemie. Erleichtert habe ich zur Kenntnis genommen, dass die Massnahmen gelockert werden können und unsere Praxis auch wieder zum Normalbetrieb zurückkehren kann, selbstverständlich mit den nötigen Vorsichtsmassnahmen. Speziell Social Distancing.
In unserer Praxis versuchten wir in dieser Zeit Patienten sofort zu beraten und ins entsprechende Behandlungszimmer zu begleiten, das Wartezimmer wurde selten benutzt und die 2m Distanz so eingehalten. Mit einer Plexiglaskonstruktion hat die Schreinerei Wirz dem Empfang sofort abgeschirmt, so dass auch neben der Distanz ein Virenhindernis im Raum steht.
Unser Team wurde vorübergehend reduziert. Wir arbeiteten in 2 Teams, damit auch die Mitarbeiterinnen nicht auf zu engem Raum zusammensitzen mussten.
Ein Patient mit Infektzeichen, Husten, Halsschmerzen Fieber, wurde als solcher bereits am Telefon beraten. Die MPA fragte nach den Krankheitszeichen und entschied, ob der Patient die Praxis aufsuchen muss, viele konnten zu Hause bleiben und eine Therapie der Grippesymptome in Eigenregie wahrnehmen. Grosszügig stellte ich Arbeitsunfähigkeitszeugnisse aus ohne dass ich den Patienten gesehen hatte.
Falls es doch nötig war, dass jemand die Praxis aufsuchen musste, wurden die Betreffenden mit einem Mundschutz ausgestattet, mussten die Hände desinfizieren und wurden sofort ins Sprechzimmer gesetzt. Auch wir arbeiten alle nun mit Mundschutz. Diese sind ja knapp und im Sinne des Recyclings haben wir begonnen diese nach Gebrauch zu sterilisieren und dann erneut zu verwenden. Es ist für uns immer noch nicht möglich auf dem üblichen Weg Mundschütze zu bestellen.
Abstriche führe ich mit den improvisierten Schutzmassnahmen in unserer Garage durch. Arztkittel, Mundschutz, Handschuhe und Schutzbrille. Händewaschen und Händedesinfektion ist sehr wichtig. Ich erinnere mich auch noch an die Zeit der Schweinegrippe, damals hatten wir bereits grosszügig in allen Zimmern Desinfektionsmittelspender angebracht. Ein solcher wurde im Windfang montiert. Auch hier ist mir mein Klassenkamerad Ueli Wirz sofort zu Hilfe geeilt.
Von Seiten der Kardiologie wurden viele nicht unbedingt sofort durchzuführende Untersuchungen auf die Zeit nach Covid verschoben, so werden diese Sprechstunden erst am 27.4. im normalen Ausmass von Dr.med.M.Studer und Prof. Dr.med.M.Zuber wahrgenommen werden. Ein typisches Beispiel waren die Schrittmacherkontrollen, die allesamt verschoben werden mussten, jetzt dann aber wieder stattfinden können. Es bedeutete für unsere Mitarbeiterinnen viele Telefone. Auch hier nochmals ein herzliches Dankeschön.
Unsere Lernenden haben Fernunterricht, sie besuchen die Schule nicht. Unsere Lehrtochter im 3. Lehrjahr bereitet sich auf die Abschlussprüfung vor, wie diese stattfinden wird, darüber herrscht noch Unklarheit. Es gibt also sehr viele neue Aspekte. Ich selber werde am 6.5. erstmals eine Fortbildung als Videokonferenz erleben. Das ist alles Neuland. Mir fehlen die persönlichen Kontakte sehr.
Und dann freue ich mich, dass ich doch mit unseren Pferden ins Freie darf. Wir machen immer noch gemeinsam Ausritte, das geniesse ich jeweils sehr. Zudem erlaube ich mir, eine Walkingrunde im Bünztal, um einigermassen fit zu bleiben, da ja eben das wöchentliche Turnen im Moment auch ausfällt. Irgendwie hatte ich plötzlich viel mehr Zeit, die Abende waren nicht besetzt. Wir haben zusammen gekocht und gegessen. Die gehamsterte Hefe wurde zu Ostergebäck und Zopf umgewandelt und freute uns sehr. Das Telefon benutzte ich rege, viel mehr als sonst, da wir auf die meisten Besuche einfach verzichteten. Und trotzdem konnte ich es nicht ganz lassen und habe einer Freundin ein Osternestli vorbeigebracht. Der Schwatz am Gartenzaun wurde sehr geschätzt. Und mein Mann hat seine betagte Tante mit frischen Spargeln überrascht, alles mitgebracht. Sie war richtig gerührt. Es sind Kleinigkeiten, die in dieser noch nie dagewesenen Krise Freude bereiteten.
Ich wünsche Ihnen auch Augenblicke zum Freuen und hoffe, dass wir den Ausstieg aus dem Lockdown zusammen gut meistern können. Meiner Meinung nach hat hier der Bundesrat und der ärztliche Berater Daniel Koch sehr entschieden und angemessen gehandelt. Ich wünsche mir, dass bald alle Gewerbe wieder zum Laufen kommen. Ich freue mich schon aufs Gartencenter.
Ihre Frau Dr.med.Claudia Zuber-Bürgisser