Liebe Patientinnen, Patienten, liebe Begleitpersonen und Besucher

Bei uns sind Sie immer noch als Patientinnen und Patienten willkommen. Irgendwie wehre ich mich dagegen, dass Sie plötzlich Kundinnen oder Kunden sein sollen. Manchmal kommen wir uns aber vor, wie wenn wir ein Gemischtwarenladen wären, was wir da so alles müssen und sollten. So sind Rezepte gewünscht für alle möglichen Sachen. Nach Möglichkeit werden diese heute direkt an die Apotheke gesendet, oft auch per Mail. Dies vorallem, wenn wir sie nicht direkt an Sie abgeben können. Daneben braucht es Physiotherapieverordnungen, Unterschriften für die Spitexbedarfsabklärung, für die Krankenkasse wegen Verbrauchsmaterial, Inkontinenzeinlagen, Wundverbände etc.. Dort hat sich auch eine Änderung ergeben, wie Sie evt. auch der Presse entnehmen konnten. Die Krankenkassen wollen z.T. nicht mehr für diese Artikel aufkommen, dagegen wehren sich sehr viele. Diese Kosten sollen nicht auf die PatientInnen abgewälzt werden und auch die Gemeinden wollen dafür nicht aufkommen, was auch verständlich ist. Das betrifft diejenigen, die im Pflegeheim wohnen.
Sie sollen unsere PatientInnen bleiben, wir versuchen Ihre Sorgen und Nöte zu ergründen und auch entsprechend Hilfe zu leisten. Daneben bilden wir uns auch fort. Gerade eben hat in der Praxis ein Infusionskurs stattgefunden. So sollten unsere MPA auch geübt sein, Infusionen zu legen, sei es für Medikamentenverabreichung, sei es in einer Notfallsituation.

In der Zwischenzeit ist Dimitri Ambühl als Wahlstudienjahrstudent bei uns eingetroffen. Er freut sich bei den verschiedenen Problemen mithelfen zu dürfen und wir versuchen ihm möglichst viel zu zeigen, damit er sich auch die Vielseitigkeit der hausärztlichen Praxis anschauen kann. Er kann einen Patienten befragen und erste Untersuchungen vornehmen. Er hat Freude an den Kindern, das merkt man, wenn er sich mit ihnen unterhält. Er ist jung und ist da noch nahe dran. Er kann auch profitieren, da sein Vater selber Kinderarzt war und er doch hie und da auch in diese Praxis hineinschauen durfte.

Im Moment sind auch verschiedene MPA Schnupperlehrlinge bei uns. Sie weilen jeweils 3 Tage da, arbeiten mit unseren bewährten MPA`s mit. Wir werden an der Klausurtagung im November entscheiden, wen wir in unserer Praxis einstellen möchten. Es ist immer eine Entscheidung im Team. Das Team hat auch gewünscht, dass wir weiterhin als Lehrpraxis für MPA tätig sein wollen, obwohl das immer zusätzlich Manpower braucht und vieles neu erklärt werden muss. Frau Sabrina Hotz hat die Ausbildung zur Lehrmeisterin absolviert und betreut jetzt Ronja Sommer im ersten Lehrjahr.

Viele Patienten sind sehr froh, dass der Herbst da ist. Viele ältere Menschen haben stark gelitten unter der lang andauernden Hitze und Trockenheit. Auch ich habe aufgeatmet, als es endlich wieder einmal zünftig geregnet hat. Als ich vor kurzem durch`s Emmental gereist bin, war ich erschüttert, wieviele Bäche gänzlich ausgetrocknet waren. Mein Mann und ich sind eine Septemberwoche durch`s Burgund gereist. Im Gebiet südlich von Dijon war die Weinlese schon in vollem Gange, das ist immer noch Handarbeit. Die Farben waren prächtig. Viele Schlösser und Klöster haben wir gesehen. Besonders angetan hatte es mir das Kloster von der Abbaye de la Fontenay. Diese Gebäude aus dem 11 Jahrhundert, gebaut auf einem Quellgebiet von Zisterziensermönchen ist ein Ort der Einkehr. Man könnte es auch als Kraftort bezeichnen. Aus der Schweiz angereist, waren wir auch sehr angetan von der Weite hier. Teilweise ist das Burgund wirklich sehr dünn besiedelt. Einmal sind wir sogar GPS geleitet so quasi ins Niemandsland gefahren. Pfeil auf dem GPS abseits von Strassen, da haben wir gelacht. Nicht zu verachten war auch das französische Essen und der Wein. Gerne liessen wir und vom Servicepersonal beraten und waren immer wieder begeistert von der Fachkenntnis und dem exquisiten Tropfen, der uns da serviert wurde. Und ehrlich gesagt, das Leben ist doch zu kurz um nur Wasser zu trinken.

Ihnen wünsche ich noch farbige Herbsttage und ein bisschen Altweibersommer

Ihre Frau Dr.med.Claudia Zuber-Bürgisser